Alexander Volkov versuchte vor UFC 328 nicht, seine Worte abzuschwächen. Der russische Schwergewichtler bestreitet an diesem Wochenende selbst einen Kampf gegen Waldo Cortes-Acosta, fand aber dennoch Zeit, über das größte Schwergewichtsthema des Sports zu sprechen: Alex Pereira gegen Ciryl Gane im UFC White House.
Volkov bezeichnete den Kampf um den Interimstitel im Schwergewicht als „keinen echten Titelkampf“ und machte deutlich, dass er die Veranstaltung eher als Werbemaßnahme denn als sportlichen Wettkampf ansieht. Das ist eine harte Aussage von einem Kämpfer, der jahrelang in der UFC-Schwergewichtsklasse aktiv war, gegen nahezu jeden Gegnertyp gekämpft hat und immer noch glaubt, bei weiteren Siegen ein ernsthaftes Anrecht auf einen Titelkampf zu haben.
Der Zeitpunkt verleiht seinen Worten mehr Gewicht. Pereira steigt vom Halbschwergewicht auf und will Geschichte schreiben. Gane steht erneut in einem großen Titelkampf, während der unangefochtene Champion Tom Aspinall sich von seiner Augenverletzung erholt. Auf dem Papier hat die UFC am 14. Juni einen absoluten Kracher zu bieten. Für Volkov ist das aber noch lange kein Grund, diesen Kampf als den richtigen Titelkampf anzusehen.
Volkovs Hauptproblem ist einfach: Er glaubt, dass sowohl Pereira als auch Gane von den stärksten Ringkampf-Herausforderungen der Division ferngehalten wurden. Er respektiert Pereiras Erfolge, scheint aber nicht überzeugt, dass der Brasilianer für die körperliche Belastung im Schwergewicht bereit ist. Außerdem ist er der Meinung, dass Gane es leichter hatte als einige andere Anwärter, die sich härteren Kämpfen stellen mussten.

Pereira gegen Gane zieht Spannung auf
Alex Pereira gegen Ciryl Gane ist genau die Art von Kampf, die die UFC liebt. Ein ehemaliger Halbschwergewichts-Champion jagt seinen dritten Titel, ein beliebter französischer Schwergewichtler trifft auf ihn, die Veranstaltung findet in einem großen Rahmen statt und es erwartet die Zuschauer ein sauberer Schlagabtausch, den auch Gelegenheitszuschauer sofort verstehen. Für die Promotion ist das ein Kinderspiel. Für den Rest der Schwergewichtsklasse sieht die Sache etwas komplizierter aus.
Volkov ist nicht der einzige Boxer, der sich angesichts dieser Ansetzung fragt, wo die Grenze zwischen Leistung und Kommerz verläuft. Im Schwergewicht gab es schon immer seltsame Entwicklungen, aber diese ist besonders brisant, da Aspinall immer noch unangefochtener Champion ist. Ein Interimstitel kann Sinn ergeben, wenn ein Champion ausfällt, aber wenn bestimmte Herausforderer bei der Ansetzung übergangen werden, wird in der Division viel diskutiert.
- Volkov meint, der Kampf Pereira gegen Gane sei kein echter Titelkampf.
- Er glaubt, dass Pereira von Schwergewichtsringern noch nicht ausreichend gefordert wurde.
- Er stellte auch Ganes Weg zurück zu einer weiteren Titelchance in Frage.
- Volkov trifft bei UFC 328 auf Waldo Cortes-Acosta und will selbst einen Titelkampf.
Deshalb ist diese Woche für Volkov so wichtig. Er kann zwar über Pereira und Gane reden, muss aber zunächst den Kampf Cortes gegen Acosta gewinnen. Ein überzeugender Sieg hält ihn im Titelrennen. Eine schwache Leistung hingegen lässt seine Aussagen schnell in Vergessenheit geraten. Im Schwergewicht ist es nicht gut mit Kämpfern, die große Töne spucken und dann nichts tun.

UFC-Schwergewichtsbild
| Kämpfer | Aktuelle Situation | Was steht auf dem Spiel |
|---|---|---|
| Alexander Wolkow | Trifft bei UFC 328 auf Waldo Cortes-Acosta. | Benötigt einen deutlichen Sieg, um eine Titelchance zu erhalten. |
| Alex Pereira | Steigt auf, um den Interimstitel im Schwergewicht zu erringen | Kann einen seltenen UFC-Titel in drei Gewichtsklassen erringen |
| Cyryl Gane | Für einen weiteren Schwergewichtstitelkampf gebucht. | Erhält eine weitere Chance, sich an der Spitze den Kritikern zu stellen. |
| Tom Aspinall | Unbestrittener Champion erholt sich von Augenverletzung | Erwartet wird ein Duell mit dem Interimstitelgewinner. |
Volkov machte deutlich, dass er sich gegen Pereira gute Chancen ausrechnet. Das ist keine leere Behauptung. Seiner Ansicht nach spielen Größe, Reichweite, Erfahrung im Schwergewicht und verbesserte Ringfähigkeiten eine entscheidende Rolle. Pereira ist zwar ein brillanter Striker, aber Schwergewicht ist nicht einfach nur Halbschwergewicht mit größeren Handschuhen. Der Clinch fühlt sich anders an. Das Gewicht ist anders. Ein einziger Fehler in der Verteidigung kann dazu führen, dass man minutenlang unter einem größeren Gegner gefangen ist.
Genau diesen Kampf möchte Volkov den Zuschauern offenbar vor Augen führen. Pereira steht einem großen, erfahrenen Schwergewichtler gegenüber, der mit ihm im Schlagabtausch mithalten, ihn unter Druck setzen und testen kann, ob sein Körper dem Druck eines Schwergewichts über mehrere Minuten standhält. Volkov behauptet nicht, Pereira sei schlecht. Er sagt lediglich, Pereira habe sich noch nicht den Fragen stellen müssen, denen sich echte Schwergewichtskämpfer normalerweise stellen müssen.
Volkov hat noch seinen eigenen Kampf.
Volkovs größtes Risiko ist der Kampf Cortes gegen Acosta. Man lässt sich leicht von der Diskussion um Pereira und Gane mitreißen, denn dieser Kampf ist prestigeträchtiger, medienwirksamer und rückt näher an den Titel heran. Doch Cortes-Acosta ist nun sein Gegner, und Schwergewichtler bestrafen Ablenkungen gnadenlos.
Volkov ist schon zu lange dabei, um das zu übersehen. Er weiß, dass man einen Titelkampf nicht allein durch Interviews bekommt. Er muss gewinnen, und zwar so, dass die UFC endlich mal die Gerüchte um Pereira, Gane und Aspinall ausblendet. Ein langsamer Sieg reicht da vielleicht nicht. Ein sauberer, kontrollierter Kampf wäre hilfreich. Ein vorzeitiger Sieg würde die Argumente für einen Titelkampf noch deutlicher untermauern.
Volkovs Kommentare verleihen dem Kampf Pereira gegen Gane eine zusätzliche Dimension. Die UFC kann ihn als historisches Ereignis mit Starpower und gefährlicher Schwergewichtsklasse vermarkten. Volkov hingegen beleuchtet die andere Seite der Medaille: Es gibt in der Division immer noch hochrangige Kämpfer, die sich übergangen, ignoriert oder zu härterer Arbeit gezwungen fühlen, während die bekannteren Namen die leichtere Bühne bekommen.
Diese Spannung ist gut für die Schwergewichtsklasse. Sie verleiht UFC 328 zusätzliche Brisanz und erhöht den Druck auf Volkov, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Besiegt er Cortes-Acosta, klingt seine Kritik glaubwürdig wie die eines Herausforderers. Verliert er, geht der Kampf Pereira gegen Gane auch ohne ihn weiter.
Volkov hat sich nun auf denkbar direkteste Weise ins Gespräch um den Schwergewichtstitel gebracht. Er bezeichnete den UFC-Titelkampf im Weißen Haus als das, was er glaubt, hinterfragte die Karrierewege beider Kämpfer und sprach aus, was viele Herausforderer sonst verschweigen. Jetzt muss er dafür sorgen, dass sein eigener Kampf diese Aussage nicht in den Hintergrund drängen lässt.
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